
F = m * g oder was hat Physik mit Karate zu tun? Am Samstag den 12.06.2010 konnten wir wieder einmal Imai Sensei ( 7. Dan, Wado Ryu) zu einem Karate-Lehrgang in der tollen Legia-Halle in Koblenz-Lay in begrüßen. Damit für alle etwas dabei war, begann das Training mit einer speziellen Kindereinheit in der der jüngste Teilnehmer gerade mal 7 Jahre alt war.
In der anschließenden Kihon-Einheit nahmen dann alle teil. Hier demonstrierte Imai Sensei das Kraft = Masse * Fallbeschleunigung ist. Er erklärte, dass in allen Karate-Techniken die Kraft nicht aus der Faust oder dem Arm komme, sondern aus dem eigenen Körpergewicht. Je schneller man dieses beschleunige, um so höher sei die daraus resultierende Kraft die in den Gegner eingebracht werden könne. Zwei Tage vor dem Lehrgang ist Imai Sensei 65 Jahre alt geworden, dies hinderte ihn aber nicht daran, eindrucksvoll vorzuführen, wie schnell er seine 70 Kg Körpergewicht beschleunigen konnte und das Karate aus einfachen physikalischen Gesetzen besteht. Diese jedoch umzusetzen, stelle das eigentliche Problem dar, so Imai. Seine Techniken seien heute schneller als mit Anfang 30. Große Schnelligkeit erreiche man aber nur durch eine entspannte Muskulatur. Nicht nur der Vormittag, sondern auch die gemeinsame Mittagspause, die man nutzte um sich auszutauschen, verging wie im Flug. Am Nachmittag standen dann die Kata Pinan Yondan und Wanshu auf dem Programm. Nachdem die Kata als Ganzes, sowie einzelne Sequenzen mehrfach geübt worden waren, stellte Imai Sensei zu jeder Kata jeweils eine passende Bunkai vor, die man dann ausgiebig mit und vor allem am Partner üben konnte. In der letzten Einheit wurde dann noch Kihon Kumite 4, Tanto-Tori 4 und 5 (Messerkampf), Ohyo Kumite 5 und Idori 4 (Verteidigung aus dem traditionelle Kniesitz) unter die Lupe genommen. Durch das Training des Kihon Kumite lerne man, so Imai Sensei, vor allem die verschiedenen Möglichkeiten auszuweichen. Die wurde besonders deutlich als wir die Kumite ohne Zuhilfenahme der Arme gegen einen Angriff mit dem Bo (Stock) ausführen sollten. Die Abwehr eines Stockes mit dem schwächeren Arm hätte wohl wenig Erfolg. Auch gegen einen Messerangriff mache es ebenso Sinn, den Körper aus der Angriffslinie des Messer zu nehmen anstelle es mit Hand oder Arm abzuwehren. Nach 6 Std. harten Training beendete Imai Sensei den Lehrgang mit einer kurzen Meditationsphase, bei der er wieder einmal sein können auf der japanischen Bambusflöte (Shakuhachi) unter Beweis stellte.
Holger Keller |